Kosmopolitismus
Der Kosmopolitismus ( griech kosmopolites : der Weltbürger) bezeichnet einen bestimmten ideologischen Ausdruck des Aufstrebens kommender oder situierter bürgerlichen Schichten, die Rolle des Staates zu gunsten übernationaler Regelungen zu reduzieren oder abzulösen.In der griechischen Philosophie bezeichnet der Kosmopolitismus eine von den Kynikern (z.B. Diogenes) und den Stoikern (z.B. Chrysippos) ausgehende individualistische Lehre, die den Menschen nicht mehr als Bürger (Polites) eines einzelnen (Stadt-)Staates, sondern der ganzen Welt (Kosmos) ansah. Gefördert wurde der Kosmopolitismus durch den Zerfall der alten Polisordnung und das Entstehen der Flächenstaaten seit Alexander dem Großen. Der Kosmopolitismus war nicht mit der Vorstellung der Weltherrschaft identisch, sondern blieb im wesentlichen eine Spekulation unter den Philosophen, konnte aber als weltpolitische Konzeption (unter Kaiser Hadrian) ideologisch unterlegt werden.
In der frühbürgerlichen Phase spiegelt sich diese Ideologie in der Gestalt der weltbürgerlichen Vorstellungen von Gotthold Ephraim Lessing, Immanuel Kant, Johann Gottlieb Fichte, Johann Gottfried von Herder, Friedrich von Schiller, Goethe, der Gebrüder Grimm u.a. wider. Diese Vorstellungen bildeten den Gegensatz zum feudalen Provinzialismus mit weltoffenen Ansichten, aber die Motivation hatten, die Gedanken an die Bildung einer Nation und an einen geeinten Nationalstaat zu fördern.
In den heutigen Konzeptionen der Vertreter des Kosmopolitismus vermischen sich verschiedenste Momente:
- Ablehnung des Selbstbestimmungsrechts der Nation
- Ablehnung der staatlichen Unabhängigkeit
- Ablehnung der staatlichen Souveränität
- Propagierung der Abschaffung des Staates als überlebte Erscheinung
- Auflösung des Staates in einen übernationalen Zusammenschluss