Maligne Hyperthermie
Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die in den meisten Fällen als Komplikation einer Narkose in Erscheinung tritt. Das Wesen der malignen Hyperthermie wird durch muskulären Hypermetabolismus charakterisiert.Durch die Wirkung von Triggersubstanzen, die während einer Narkose verabreicht werden (volatile Narkotika oder depolarisierende Muskelrelaxantien), kommt es zu einer metabolischen Entgleisung mit unkontrollierter intramuskulärer Calzium-Freisetzung.
Der gesteigerte Metabolismus führt zu einer extremen O2-Schuld und CO2-Überladung. Die reflektorische Erhöhung des Herzzeitvolumens zeigt sich klinisch als Tachykardie mit exessiv hohen expiratorischen CO2-Konzentrationen. Später kommt es zu der namengebenden Hyperthermie, unbehandelt zum schweren Substratverbrauch mit Rhabdomyolyse, Hyperkaliämie, Nierenversagen.
Die MH erfordert in aller Regel intensivmedizinische Versorgung.
| Table of contents |
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2 Triggersubstanzen 3 Therapie 4 Narkose bei bekannter MH 5 Epidemiologie 6 Links |
es werden zwei klinische Verlaufsformen unterschieden:
Die fulminate MH-Krise entwickelt sich rasant. Klinisch ist ein generalisierter Rigor auffällig, der innerhalb von Minuten von Tachykardie, Hyperkapnie (pCO2 > 60mmHg), Hypoxämie sowie respiratorischer und metabolischer Azidose mit Basendefizit (>5mval/l) begleitet wird. Als Spätsymptom zeigt sich die Hyperthermie mit rapidem Temperaturanstieg.
Im weiteren Verlauf kommt es durch die fortbestehende sympatho-adrenerge Überstimulation, durch die Hypoxie und Azidose zu einer zunehmenden Kreislaufdepression mit Tachyarrhythmie, Blutdruckabfall und myokardialer Ischämie.
Sekundär treten Nierenversagen, Hirnödem und eine dissiminierte Koagulopathie auf.
Der Verlauf beginnt schleichend, oft erst Stunden nach der Triggersubstanzexpostition. Diese Form der MH ist wesentlich häufger.
Vereinzelt sollen diese Patienten lediglich durch die Rhabdomyolyse auffallen, indem sich der Urin nach Narkose dunkelbraun verfärbt.
Zu den Triggersubstanzen zählen
Für die spezifische Therapie der MH steht heute nur Dantrolen zur Verfügung.
Die Therapie muss so früh und so konsequent wie möglich am Ort ihrer Entstehung eingeleitet werden:
Nach überstandener Krise ist der Patient in jedem Fall intensivüberwachungspflichtig.
Eine Fehldiagnose mit versehentlicher Applikation von Dantrolen wird -besonders in Hinblick auf die Bedrohlichkeit der MH- als harmlos angesehen. Dantrolen ist ein Muskelrelaxantium, weswegen die Beatmung weitergeführt werden muss. Ansonsten ist es in üblichen Dosen nebenwirkungsfrei.
Bei Verdacht auf eine Disposition muss eine triggersubstanzfreie Narkose durchgeführt werden (z. B. TIVA, kein Succinylcholin zur Intubation). Im Rahmen der Prämedikation sollte auf ausreichende Sedierung geachtet werden.
Die genetische Prävalenz soll unabhängig von Rasse, Geschlecht und Alter bei 1:10000 liegen. Es ergibt sich eine Inzidenz von 1:20000 Narkosen unter Verwendung von Triggersubstanzen. (M. Anetser und C. R. Müller: maligne Hyperthermie,Intensivmed 40:324-335 (2003))
;allgemein: http://www.uni-leipzig.de/~kai/mhinfo.htm
;Selbsthilfegruppe: http://www.smhv.ch/
;Leitlinie: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/anae_008.htmFormen
fulminate maligne Hyperthermie
abbortive maligne Hyperthermie
Triggersubstanzen
Allen anderen in der Anästhesie verwendeten Mitteln, wie Narkotika, Lokalanästhetika, nichtdepolarisierende Muskelrelaxantien, Analgetika, Notfallmedikamente usw. wird derzeit keine Triggerwirkung zugeschrieben.Therapie
Zur Überwachung gehören die Verläufe von BGA, Elektrolyte, CK, Myoglobin und Laktat.Narkose bei bekannter MH
Epidemiologie
Links