Verfolgung von Minderheiten
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Verfolgung von Minderheiten durch die umgebende Mehrheit oder deren Organen.Insbesondere sind Verfolgungen mit einem oder mehreren der folgenden Charakteristika gemeint:
- Die Verfolger begehen Verstöße gegen die Menschenrechte
- Die Verfolger berufen sich auf Normen, die nicht auf alle definierbaren Minderheiten einer Gemeinschaft mit dem gleichen Ergebnis anwendbar sind.
- Die Folgen der Verfolgung stehen in keinem Verhältnis zur vorgeworfenen Tat. Oft weichen Grund der Verfolgung und Anklage voneinander ab.
- Es gibt eine innere Systematik der Verfolgungen.
- Verfolgt werden nicht Einzelindividuen sondern Gruppen (eben Minderheiten).
| Table of contents |
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2 Verfolger 3 Legitimation der Verfolgungen 4 Gründe der Verfolgung 5 Ausmaß der Verfolgung 6 Reaktionen der Mehrheit 7 Reaktionen der Minderheit 8 Beispiele |
Abgrenzungsprobleme
Es ist schwierig, objektive, überall gültige Standards von Recht und Unrecht zu setzen, da alle von Menschen definierten Rechtsnormen durch den Menschen in Frage gestellt werden können. Das gilt für die Idee des Naturrechts, oder das Völkerrecht ebenso wie für Offenbarungen an einzelne Religionsgemeinschaften.
Wenn in einem philosophischen oder politischen Modell die Gemeinschaft höher gewertet wird als der einzelne Mensch, kann das zur Legalisierung von Minderheitenverfolgung führen.
Insbesondere in früheren Gesellschaften waren ethnische Herkunft, Religion, Kultur und Organisationsform (Gruppe, Staat) eng miteinander Verbunden, teilweise sogar vollständig kongruent. Teilweise ist dies auch heute noch so. Eine Abweichung eines Parameters konnte zum Ausschluss aus der Gemeinschaft führen. Dieser Mechanismus wird gelegentlich als überlebensnotwendig eingestuft. Verschiedene Gedanken Friedrich Nietzsches können in diesem Sinne aufgefasst werden.
Auch die Unterscheidung der Minderheitenverfolgungen von der Ahndung individueller Verbrechen kann schwierig sein, da es öfters vorkommt, dass die Verfolgung darin besteht, dass die verfolgte Minderheit irgendwelcher Verbrechen angeklagt wird (Gotteslästerung, Verschwörung, etc.)
Von daher kann die zur Verfolgungszeit geltende Rechtslage nicht entscheidend sein, bei der Beurteilung, ob eine Minderheitenverfolgung vorliegt.
Verschiedene Geisteswissenschaftler (z.B. Friedrich Nietzsche, Hannah Arendt, René Girard) versuchten, die Mechanismen von Verfolgung und Unterdrückung zu beschreiben.
Verfolger
Zur Verfolgung von Minderheiten kam es in nahezu allen Epochen der Menschheitsgeschichte. Unterscheiden kann man prinzipiell:
Folgende Mechanismen sind dabei möglich:
Staatsformen ohne Gewaltentrennung, haben sich als besonders anfällig für Minderheitenverfolgungen gezeigt. Demgegenüber gilt die Gewaltenteilung in modernen Demokratien als relativ unanfällig. Ein in der Staatsform begründeter absoluter Schutz vor Minderheitenverfolgungen ist jedoch utopisch.Legitimation der Verfolgungen
Oft sollten Verfolgungen durch scheinbar objektive Argumente legitimiert werden. Dazu zählen:
Diese Argumente konnten dann dazu genutzt werden, Normalbürger zu Unterstützung der Verfolgung bis hin zu Gewaltexzessen zu bewegen. Das konforme Verhalten des Einzelnen zu einem menschenfeindlichen Rechtssystem stellt vielfach ein Problem bei der Aufarbeitung von Diktaturen dar.Gründe der Verfolgung
Nicht immer werden die Gründe für eine Minderheitenverfolgung offen benannt. Auch in Fällen, in denen der Verfolgungsgrund direkt aus beispielsweise religiösen Texten ableitbar ist, spielen oft wirtschaftliche oder politische Interessen eine wesentliche Rolle bei der Verfolgung. Wirtschaftliche Gründe können Auslöser von Minderheitenverfolgungen sein, insbesondere wenn die Minderheit durch wirtschaftlichen Erfolg charakterisiert ist.
Die geistige Abweichung von einem weltanschaulichen, theologischen oder politischen Modell kann dann Anlass für eine Minderheitenverfolgung sein, wenn die Vertreter der Meinung, von der abgewichen wird, gleichzeitig über politische oder kulturelle Macht verfügen. Dies ist vor allem in totalitären Systemen der Fall.
Gleichzeitig hält er es für wesentlich, diesen Mechanismus zu durchschauen und zu überwinden, da er das Gewalt an unschuldigen Opfern für nicht hinnehmbar hält. Für diese Theorie spricht, das totalitäre Systeme die Mehrheit oft massiv gegen Minderheiten mobilisierten, auch wenn damit objektive wirtschaftliche Nachteile verbunden waren.Ausmaß der Verfolgung
Die gegen die Minderheit angewandte Gewalt kann vielfältige Intensitäten und Charaktere besitzen. Möglichkeiten sind:
Im Extremfall gipfelt die Verfolgung in Gewaltexzessen. Dabei kommt es zu Verschleppungen und Tötungen von Personen, die durch wenige Merkmale (z.B. Wohnort, Religion, Hautfarbe) charakterisiert werden. Diese Gewaltexzesse können spontan entstanden oder institutionell organisiert sein.Reaktionen der Mehrheit
Die Bewältigung der erlebten Gewalt kann auf verschiedene Arten stattfinden. Eine kritische und sachliche Auseinandersetzung mit dem Problem ist sicherlich anzustreben, erfolgt aber oft genug erst nach radikalen Systemwechseln und / oder Generationen später.
Oft dominieren Verdrängung und Leugnung - oder aber Legitimationsversuche. Stellen sich einzelne Individuen oder Gruppen der Mehrheit auf die Seite der Minderheit, droht ihnen nicht selten das gleiche Schicksal, wie der verteidigten Minderheit.Reaktionen der Minderheit
Die persönliche und kulturelle Bewältigung des Erlebten durch die verfolgte Minderheit ist oft sehr schwierig. Während der Verfolgung können alle Facetten zwischen stoischem Erdulden und offenem Widerstand vorkommen.
Auch die Verleugnung der Zugehörigkeit zur Minderheit oder eine Angleichung an die Verfolger sind möglich. Nach dem Ende der Verfolgung kann das Erlebte verdrängt oder glorifiziert (Märtyrer) werden.
Möglich ist sowohl ein aufleben der Minderheitencharakteristika (z.B. Religion oder Kultur) oder deren endgültiges Absterben. Es kommt auch immer wieder zu gewaltsamen Gegenreaktionen, die dann denn Charakter einer Minderheitenverfolgung der ehemaligen Mehrheit haben können.
| Verfolgte Minderheit | Mehrheit | Verfolgung durch | Zeit | siehe (Wikipedia) |
|---|---|---|---|---|
| Christen | Römisches Reich | Staat | 1. Jahrhundert bis 314
| Christenverfolgung, Toleranzedikt von Mailand |
- religiöse Verfolgung
- Christenverfolgung
- Verfolgung des Christentums durch Nichtchristen
- Verfolgung christlicher Häretiker durch Christen
- Judenverfolgung
- Heidenverfolgung
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- Christenverfolgung
- ethnische Verfolgung, siehe Ethnische Minderheit, Sinti und Roma
- politische Verfolgung
- moralische Verfolgung